Kopfzentrum Bielefeld
Bogengangsokklusion bei nicht therapierbarem BPPV


Diagnose
Der gutartige Lagerungsschwindel (BPPV) entsteht, wenn feine Kalkkristalle aus der Vorhofsmakula in einen Bogengang gelangen und dort die Strömung der Endolymphe stören. Diagnostiziert wird er durch ein Lagerungsmanöver mit Messung der Augenbewegungen — der Nystagmus zeigt an, welcher Bogengang betroffen ist; die häufigste Form betrifft den hinteren Bogengang. Vor einer Operation müssen andere Ursachen für einen Lagerungsschwindel ausgeschlossen werden, etwa eine Bogengangsdehiszenz, eine Perilymphfistel oder eine zentrale Störung im Kleinhirn.
Symptome
Typisch sind kurze, heftige Drehschwindelattacken, die durch Lagewechsel ausgelöst werden — beim Umdrehen im Bett, beim Aufsetzen, Hinlegen oder Bücken —, begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Schwitzen und einem starken Unsicherheitsgefühl. Zwischen den Attacken besteht oft eine anhaltende Gangunsicherheit und ein Vermeidungsverhalten; die Attacken selbst dauern meist nur Sekunden.
Ursachen
Am häufigsten lösen sich die Kristalle ohne äußere Ursache im Rahmen von Altersveränderungen der Makula; häufiger betroffen sind Menschen nach Kopfverletzungen, nach Innenohrerkrankungen, nach längerer Bettlägerigkeit und bei Vitamin-D-Mangel. Bildet sich der BPPV trotz wiederholter Lagerungsmanöver über Monate zurück, wird er als therapierefraktär bezeichnet.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie der Wahl sind wiederholte Befreiungsmanöver; erst wenn diese über Monate nicht ausreichen, wird eine Okklusion des betroffenen Bogengangs erwogen. Dabei wird der Bogengang über eine Felsenbeinoperation freigelegt und ein kurzes Stück des Bogengangs mit Knochenmehl, Bindegewebe oder Fasziengewebe verschlossen, sodass die Kristalle die Endolymphe nicht mehr in Bewegung setzen können. In einer Serie von 55 operierten Ohren waren sämtliche Lagerungsschwindel beseitigt; eine dauerhafte Hörminderung trat bei einem Teil der Patienten auf, eine vorübergehende Gangunsicherheit ist häufig. Nach dem Eingriff folgen Kontrollen von Hören und Gleichgewicht; verbleibende Unsicherheit wird mit Gleichgewichtstraining behandelt.