Kopfzentrum Bielefeld
Liquorfistel mit transnasaler Abdeckung


Diagnose
Bei einer Liquorfistel tritt Hirnwasser (Liquor) durch eine Öffnung in Schädelbasis und Hirnhaut nach außen aus – bei der transnasal zu versorgenden Form in die Nasen- oder Nebenhöhlen. Der Verdacht entsteht meist aus einem einseitigen, klaren, wässrigen Sekret aus der Nase. Zur Bestätigung wird die Flüssigkeit auf Beta-2-Transferrin untersucht. Dünnschicht-Computertomografie und kernspintomografische Zisternografie zeigen gemeinsam, wo die Öffnung liegt und wie groß sie ist.
Symptome
Typisch ist ein einseitiges, klares, wässriges Laufgefühl aus der Nase, das sich im Liegen, beim Vorbeugen oder beim Pressen verstärken kann. Viele patients bemerken einen salzigen oder metallischen Geschmack, ein Laufen den Rachen hinab oder einen Druck im Kopf. Fieber, Nackensteifigkeit und starke Kopfschmerzen können auf eine Hirnhautentzündung hinweisen – in diesem Fall ist eine sofortige ärztliche Vorstellung nötig.
Ursachen
Am häufigsten entsteht eine Liquorfistel nach einer Kopf- oder Gesichtsverletzung; seltener folgt sie einem Eingriff an den Nasennebenhöhlen oder an der Schädelbasis. Ein Teil der Lecks zeigt sich ohne äußeren Grund, etwa bei dauerhaft erhöhtem Hirndruck, angeborenen Lücken der Schädelbasis oder im Rahmen von Erkrankungen, die den Knochen der Schädelbasis abbauen.
Behandlungsmöglichkeiten
Kleine, frisch entstandene Lecks versiegen mitunter unter Schonung und dem Vermeiden von Pressen. Fließt weiterhin Liquor ab, wird die Öffnung in der Regel endoskopisch durch die Nase verschlossen: Nach schonender Reinigung der Umgebung wird die Stelle von der Nasenseite her mehrschichtig abgedeckt, zum Beispiel mit einer Bindegewebsschicht, Schleimhaut, Fett oder einer Kombination. In ausgewählten Fällen ergänzt eine zeitweilige Liquorableitung über die Lendenwirbelsäule die Deckung, bis die Abdichtung dicht ist. Bei sehr großen oder schwer erreichbaren Defekten kann ein offener Zugang über die Schädelbasis erforderlich sein.
Der endoskopische transnasale Verschluss gilt als sehr zuverlässig: In einer Übersichtsarbeit zu 289 auf diese Weise versorgten Liquorfisteln war der erste Eingriff in rund neun von zehn Fällen erfolgreich, insgesamt ließen sich etwa 97 Prozent der Lecks auf endoskopischem Wege verschließen. Nach der Operation folgen Kontrolluntersuchungen und eine Zeit ohne Pressen, Heben und Fliegen. Versiegelt die Deckung nicht dauerhaft, kann sie erneut gelegt werden.