Kopfzentrum Bielefeld
Infusionstherapie nach dem Stennert-Schema bei Hörsturz

Ein Hörsturz ist ein plötzlich auftretender Innenohrhörverlust ohne unmittelbar erkennbare Ursache. Eine neue, plötzliche Hörminderung sollte zeitnah HNO-ärztlich untersucht werden. Erst nach der Untersuchung lässt sich beurteilen, ob ein Hörsturz vorliegt und welche Behandlung infrage kommt.
Was bedeutet Stennert-Schema?
Das historische Stennert-Schema kombinierte ein Kortisonpräparat mit Dextran und Pentoxifyllin als Infusionsbehandlung. Unter einem modifizierten Stennert-Schema können unterschiedliche Zusammensetzungen verstanden werden. Eine heutige Kortisoninfusion ist deshalb nicht automatisch mit dem ursprünglichen Kombinationsschema gleichzusetzen. Welche Medikamente tatsächlich eingesetzt werden, muss individuell ärztlich festgelegt und erläutert werden.
Nutzen und Grenzen
Die historischen Berichte über das Stennert-Schema belegen keinen gesicherten Behandlungserfolg: Auch ohne Behandlung sind spontane Veränderungen des Hörvermögens möglich. Eine kontrollierte Studie fand keinen relevanten zusätzlichen Hörgewinn durch Dextran und/oder Pentoxifyllin gegenüber den Vergleichsgruppen.
Die HODOKORT-Studie zeigte für die untersuchten hochdosierten systemischen Kortisonbehandlungen keinen Vorteil gegenüber der niedrigeren Vergleichsdosis, jedoch mehr Nebenwirkungen. Diese Studie verglich verschiedene Kortisonregime und nicht Kortison mit einer unbehandelten Gruppe. Eine sehr hohe Dosis oder eine Infusion bedeutet daher nicht automatisch eine bessere Wirkung. Eine Wiederherstellung des Hörvermögens kann nicht zugesichert werden.
Ablauf und mögliche Risiken
Bei einer Infusionsbehandlung wird ein Medikament über einen venösen Zugang verabreicht. Auswahl, Dauer und Überwachung richten sich nach dem Befund, den Begleiterkrankungen und dem verwendeten Präparat. Vor einer Behandlung werden Nutzen, Alternativen und Risiken besprochen.
Kortison kann unter anderem den Blutzucker und Blutdruck erhöhen und Schlaf oder Stimmung beeinflussen. An einem venösen Zugang sind Reizungen, Entzündungen und Infektionen möglich. Falls Dextran verwendet wird, müssen zusätzlich Risiken wie schwere Überempfindlichkeitsreaktionen und Flüssigkeitsüberlastung berücksichtigt werden. Diese Beschreibung ist keine Dosierungsanleitung und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung.